Erster Saisonsieg im Regio-Derby?
Das Duell gegen Wil gehört zusammen mit der Partie gegen Schaffhausen zu den heissen und traditionsreichen Regio-Derbys in der Challenge League. Während die Munotstädter sich momentan in der Promotion League abmühen, treffen Winterthur und Wil am Freitag auf der Schützenwiese zum ersten Mal seit vier Jahren wieder in der Meisterschaft aufeinander. Unser Ziel ist klar: Der erste Dreier in der neuen Saison soll her!
Ein starkes 2:2 gegen die auf dem Papier wohl stärkste Mannschaft der Liga aus Yverdon, und eine schwache Darbietung mit einer verdienten Niederlage gegen den Aufsteiger Kriens: Die Leistung des FCW in den ersten beiden Spielen der neuen Saison könnte unterschiedlicher nicht sein.
Noch ist es zu früh, um den Start in «gelungen» oder «abverreckt» zu kategorisieren. Doch die beiden Spiele sind exemplarisch für diese Challenge League und sie zeigen, wo die Herausforderungen für das Team von Patrick Rahmen liegen.
Die Mannschaft muss nach vier Jahren Super League möglichst schnell in der neuen Liga ankommen. In der Challenge League ist der Absteiger nicht mehr der Jäger, sondern der Gejagte. Er gilt nicht mehr als Underdog, der mit seinen beschränkten Möglichkeiten auf die Fehler der Grossen hoffen muss, sondern ist im Normalfall der Favorit, der das Spiel machen muss und von dem Siege erwartet werden.
Während der FCW in der Super League der Klub mit den bescheidensten Möglichkeiten war, gilt er nun mit seinem Status, seiner Struktur und der grossartigen Fussball- und Fankultur als der Grosse der Liga. Entsprechend ist die Konkurrenz doppelt motiviert, dem FCW ein Bein zu stellen – und dies ist in einem einzelnen Spiel immer möglich, wie das Beispiel in Kriens mustergültig gezeigt hat.
Die Challenge League ist aber auch ganz grundsätzlich eine schwierige Liga: Viele Klubs müssen sich finanziell Jahr für Jahr zur Decke strecken. Die sportlichen Darbietungen sind schwankend, reichen von topp bis flop, weil es mit den bescheidenen Möglichkeiten nicht immer gelingt, eine Mannschaft zusammenzustellen, die konstante Leistungen abrufen kann. Die Klubs sind angewiesen auf Nachwuchstalente, Leihspieler von grossen Klubs und gestandene ausländischen Profis, die zahlbar sind, weil sie aus unteren Ligen kommen und ihre Chance packen wollen. Schlägt ein Spieler ein, ist er schnell wieder weg. Gerade die welschen Klubs arbeiten oft mit Spielern aus Frankreich.
Nur wenige Vereine kommen über die harten ChL-Rahmenbedingungen hinaus – entweder, weil sie wie zuletzt der FC Sion potente Super-Ligisten sind oder wie Yverdon reiche und ambitionierte Geldgeber haben. Die Waadtländer können dank ihrer monetären Voraussetzungen konstant arbeiten und mit einem starken Kader anders Fussball spielen als die meisten Challenge-Ligisten.
Ich bin überzeugt: Wenn der FCW in diesem anspruchsvollen Umfeld rasch seinen Platz findet, wird er diese Saison eine gute Rolle spielen. Willkommen in der Challenge League!