Freundschaft zwischen den Fans – Kein Pardon auf dem Spielfeld
Während sich die Fans aus Winterthur und Lausanne am Samstag wie immer freundschaftlich zum Fussballfest auf der Schützenwiese treffen, werden sich die beiden Teams auf dem Rasen nichts schenken: Lausanne braucht dringend Punkte, um den angepeilten Einzug in die Finalrunde zu schaffen, der FCW noch viel dringender ein Erfolgserlebnis im Kampf um den Ligaerhalt. Kommt der tiefe Boden dem FCW entgegen? Bringt der anarchische Schützi-Rasen die Kunstrasen-Dribbler aus dem Waadtland ins Straucheln? Für Spannung ist auf jeden Fall gesorgt!
Egal, wie die Kräfteverhältnisse zwischen zwei Mannschaften sind: Jedes Spiel muss erst gespielt werden. Denn egal, wie stark du dich fühlst: Mach deine Rechnung nie ohne den Gegner – und erst recht nicht ohne die äusseren Umstände. Am Samstag sind es gerade diese äusseren Faktoren, die das theoretisch klare Kräfteverhältnis zwischen Winterthur und dem Favoriten aus Lausanne mächtig auf den Kopf stellen könnten.
Ja, die äusseren Umstände: Auf der Schützenwiese sind sie seit einer gefühlten Ewigkeit und auf verschiedenen Ebenen ein Dauerthema. Momentan steht der Zustand des Spielfeldes, resp. des Untergrundes im Rampenlicht. Eigentlich wie meistens um diese Jahreszeit.
Frei nach dem Motto «Und jährlich grüsst das Murmeltier» zeigt die unzähmbare Natur zu Beginn der Rückrunde und manchmal bis in den April hinein gnadenlos auf, wie anspruchsvoll und aufwändig die Bewirtschaftung eines Naturrasens ist. Auf der Schützenwiese kommt erschwerend hinzu, dass das Spielfeld während einem grossen Teil des Tages vom eigentlichen Wahrzeichen, dem Hochhaus, überschattet wird. Die angrenzende Eulach sorgt zudem vor allem im südlichen Teil des Areals für ein deutlich feuchteres Klima (Stichwort Nebel).
Am 17. Januar, als der FCW den FC St. Gallen hätte empfangen sollen, war der Boden gefroren, der Schiedsrichter sagte das Spiel aus Rücksicht auf die Gesundheit der Akteure ab. Am Samstag wird der Boden hoffentlich nur tief sein. Der FCW möchte unbedingt spielen und seine Chance nutzen, um wichtige Punkte für den Ligaerhalt zu holen – in der Hoffnung, dass die technisch versierten Waadtländer, die zuhause auf Kunstrasen spielen, mit den Bodenverhältnissen ihre liebe Mühe haben werden.
Aber nicht nur der Rasenzustand gibt immer wieder zu reden. Die Infrastruktur im altehrwürdigen Stadion Schützenwiese genügt je länger je weniger den Ansprüchen, die mit der Professionalisierung, dem aufstrebenden Frauenfussball und der anspruchsvollen Nachwuchsförderung stark gestiegen sind – und auch weiterhin steigen werden. Während andere Städte in den letzten Jahren mit Überzeugung in die Modernisierung der Infrastruktur investiert haben (zuletzt Lausanne und Lugano mit je 160 Mio. Fr.), übte sich Winterthur lange in Zurückhaltung. Doch nun geht die Entwicklung in die richtige Richtung: Im Herbst wird das Volk über eine erste Ausbauetappe abstimmen. Für 35 Mio. Fr. soll das Stadion mit zwei Stirntribünen und einem Garderobengebäude für den Frauen- und Nachwuchsfussball ergänzt werden. Ein grosser Schritt in die richtige Richtung – auch wenn der Rasen erst in der zweiten Etappe ein Thema ist.
Bis dahin gilt für uns und die Fachleute des Sportamtes: Täglich hart arbeiten und das Beste aus der Situation herausholen. Gemeinsam für den Ligaerhalt!