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17.07.2015, 09:44 Uhr, Autor: TAGES-ANZEIGER, Th. Schifferle

Presse-Artikel Sich treu bleiben

TAGES-ANZEIGER: Der FC Winterthur will sich in der Challenge League ambitioniert geben, ohne aber seine Identität aufs Spiel zu setzen.

(Bild: Tages-Anzeiger)

 

Wenn es um den FC Winterthur geht, geht es um viel. Um Fussball fürs Volk, um den Einsatz für Integration und ­gegen Familienarmut, um sauberes Wasser für alle, um den Kampf gegen Ausgrenzung und Gewalt. Um Friede und Freiheit.

So steht das alles auf seiner Homepage. Und auf einem Aushang neben dem Eingang zum Libero, der Stadionbeiz, steht auch: «Planet FCW in all seinen Facetten». Auf diese Formulierung muss man erst einmal kommen. Andreas Mösli ist es gelungen, weil er der ­Geschäftsführer dieses Planeten ist.

Mit Mösli hat es viel zu tun, dass der FCW nicht nur als herkömmlicher Fussballverein wahrgenommen wird, sondern auch als soziale Institution. Als er seine Arbeit anfing, das ist 13 Jahre her, da sei hier doch «alles nur Mist» gewesen, erinnert sich der frühere Punker und meint damit Club, Mannschaft, Stadion. Heute ist er stolz auf das, wofür der FCW inzwischen steht, stolz auf einen der Slogans, der heisst: Erstklassig zweitklassig.

Wichtige Fragen

Sportlich zweitklassig ist dieser FCW halt nun einmal, seit 1985 schon (und 1998/99 war er sogar drittklassig). Die letzten knapp 14 Jahre hat er sich damit gar gut eingerichtet, weil Hannes W. Keller als Präsident nie etwas anderes gewollt hat, als zufrieden in der Challenge League zu spielen. Er hat bis zu seinem Rücktritt in diesem Sommer nie übermässig viel gefordert, dafür immer für finanzielle Stabilität gesorgt, Jahr für Jahr das Defizit gedeckt, ob eines von 700'000 Franken oder 1,5 Millionen, und er hat pünktlich die Löhne gezahlt. Die grosse Palme, die geraume Zeit neben der Haupttribüne stand, hat das Bild von der Schützenwiese als Wohlfühloase verstärkt.

«Davon müssen wir wegkommen», sagt Mösli, weg von dieser Oase. Aber wie? Und mit welchem Geld? Und was heisst das genau? Und wollen das wirklich alle, die dem Verein zugetan sind? Das sind wichtige Fragen.

Jürgen Seeberger war noch nicht der Trainer des FCW, als er sich von der ­alten Gegentribüne Spiele anschaute und die Zuschauer erlebte, wie sie ihr Bier tranken und «eines rauchten» (und er meint damit nicht Zigaretten). Er redet darum von der Fankultur, die den Verein ausmacht, von der Nähe zwischen Zuschauern und Spielern, die wissen, dass sie auch bei einer Niederlage nicht angepöbelt werden. Was hier entstanden ist, schätzen auch Schiedsrichter wie Nikolaj Hänni. Nachdem er letzten Samstag das Testspiel gegen St. Pauli geleitet hatte, vor 4800 Zuschauern, sass er bis Mitternacht auf einer Festbank beim Bier.

«In Winterthur ist etwas geschaffen worden», bringt es Seeberger auf den Punkt. Er hat schon einiges gesehen im Fussball, Schaffhausen, Aachen, Stuttgart oder Darmstadt, er hat als entlassener Coach die Arbeitsämter von Schaffhausen, Aachen und Stuttgart kennen gelernt, und jetzt ist er froh, in Winterthur gelandet zu sein. Er ist sogar mehr als das, er ist dankbar, weil hier der Umgang miteinander stimmt.

In der ersten Saison unter dem 50-jährigen Deutschen mit Wohnsitz Konstanz war der FCW Zweiter in der Heimtabelle und Zweitletzter in der Auswärtstabelle. Er war so wenig konstant wie in vielen Saisons zuvor. Am Ende landete er auf dem 4. Platz, 21 Punkte hinter Aufsteiger Lugano. Das letzte Spiel gegen Servette, das nicht mehr war als ein Freundschaftsspiel, lockte trotzdem 3400 Zuschauer an.

Allein in den letzten drei Jahren verlor der FCW auf den Tabellenersten insgesamt 68 Punkte. «Das Ziel ist klar», sagt Mösli, bevor morgen Samstag gegen die offenbar Neureichen des FC Wil die Meisterschaft beginnt, «wir wollen vorne mitspielen, wir wollen den Rückstand auf Platz 1 verringern, wenn möglich auf null.»

Die Angst

4 bis 4,2 Millionen Franken beträgt das Budget unverändert, weil Keller immerhin Besitzer bleibt und für zwei Jahre das Defizit decken wird. Das lässt Kellers Sohn Mike als Vizepräsident die Zeit, zu überlegen, ob er seinen Vater nicht doch noch als Vorsitzender beerben soll, und es lässt dem ganzen Verein die Luft, sich neu auszurichten.

Es geht dabei nicht um eine veränderte Philosophie. Der FCW wird ein Verein bleiben, der die Ausbildung pflegt wie jüngst im Fall von Manuel Akanji, der beim FC Basel untergekommen ist. Vielmehr geht es um das Beschaffen frischer Finanzmittel. Einfach ist das auch in Winterthur nicht, weil weder das Bürgertum noch die Industrie an einem Sponsoring interessiert sind. Da ist der Club fürs Erste schon einmal froh, dass der Bio-Getränkehersteller Traktor künftig auf den Rücken der Leibchen wirbt, und vielleicht bringt der Einsatz von Drehbanden eines Tages wirklich ein paar Hunderttausend Franken mehr ein, wie das im besten Fall möglich ist.

Von der Stadt ist auch keine Hilfe zu erwarten. Die muss selbst kräftig sparen, und weil sie das tun muss, sind der weitere Ausbau des Stadions und die Sanierung der Haupttribüne bis auf weiteres verschoben. Solange sich daran nichts ändert, wird es die Sirupkurve geben und den Salon Erika, der nichts anderes ist als Prosecco-Bar und Galerie in der Bierkurve; und so lange werden sie zum Charme des Stadions beitragen; und solange das so ist, werden sich die Sympathisanten des FCW fragen, ob es sich lohnen würde, das alles für einen Aufstieg aufzugeben. Mösli weiss: «Die Angst ist da, dass man verliert, was man jetzt hat.»

Denn die Lizenzauflagen der Liga sind in der Super League ein Stück strenger als in der Challenge League. Da wäre es endgültig vorbei mit den mobilen Bauten auf der Seite der Bierkurve. Eigentlich verstossen sie schon jetzt gegen die Vorschriften der Fussball-Behörde, ganz zum Ärger Möslis, «sie gehören doch zu unserem Image», sagt er.

Ohne Klagen

Auf Seebergers Leibchen steht: «Stay true», bleib dir treu. Das passt zum Verein, wie es zu ihm selbst passt. See­berger kennt die Limiten seines Kaders, das nach Abgängen von Iten, Akanji und Menezes speziell in der Abwehr dünn besetzt ist. Und sollte Sead Hajrovic, «ein Eckpfeiler», wie der Trainer betont, nach Wil wechseln, weil er da seinen Jahreslohn auf 180'000 Franken verdreifachen kann, wäre die Not noch grösser.

Aber Klagen gehört nicht zum Repertoire Seebergers. Er hat den Spass an seiner kleinen, aber «homogen und guten Gruppe», an Spielern, die aus seiner Sicht schätzen sollen, was sie an diesem Verein haben. «Persönlichkeit, Charakter und Mentalität» fordert er von ihnen mit Blick auf die neue Saison. «Ja, das hört sich gut an», sagt er und verabschiedet sich ganz zufrieden zum zweiten Training an diesem Tag.

 

 

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