Rückblick auf ein spezielles Jahr

30. Dezember 2020



In den nächsten Tagen blicken wir nochmals in kurzen Etappen und Episoden, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit haben, auf dieses merkwürdige und schwierige Jahr 2020 zurück.
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Wie ist es Euch ergangen? Was waren Eure bleibenden Erlebnisse mit (oder eben ohne) den FCW? Was habt ihr ohne den FCW vermisst? Wie soll es weitergehen? Schreibt uns Eure Eindrücke, schickt uns Zeichnungen mit Fussball, FCW und Schützenwiese!
Wir verlosen dann im Januar unter den Teilnehmenden coole FCW-Fanartikel. (Mail an info@fcwinterthur.ch oder per Post an FC Winterthur, Postfach 1778, 8401 Winterthur).
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 Teil 1/6
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4. Januar 2020: Start ins neue Jahr mit Turnier gegen Homophobie
Das Jahr 2020 beginnt für den FCW so normal und relaxt wie die meisten zuvor. Zum Auftakt setzt der Klub eines seiner wichtigen Zeichen und nimmt mit einem Mix-Team (Geschäftsstelle, Frauenteam, Fans) am gut besetzten internationalen Hallenmasters gegen Homophobie teil, das erstmals in Zürich ausgetragen wird. Der Auftritt findet auch in den Medien Beachtung und löst ein positives Echo aus.
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2. Februar 2020: Raphael Spiegel schiesst das Tor des Monats
3:2 gewinnt der FCW an diesem tristen Wintertag auf der Schützenwiese gegen den FC Chiasso. Eigentlich keine besondere Meldung wert – wäre da nicht der dritte Treffer des FCW: Ein Tor mit absolutem Seltenheitswert. Denn Torschütze ist ausgerechnet der Torhüter – und zwar mit einem weiten Auskick, der dank der guten Schusstechnik von Raphael Spiegel und freundlicher Mithilfe des Windes fliegt und fliegt – und über den gegnerischen Goalie ins Tor springt. Raphael Spiegel gewinnt damit die SFL-Auszeichnung «Tor des Monats».
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Teil 2/6
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21. Februar 2020: Letzter Ernstkampf für vier Monate
Der FCW unterliegt auf der Schützenwiese dem FC Lausanne-Sport 0:4. Die Klatsche gegen den Ligakrösus und Aufstiegsmitfavoriten nervt zwar gewaltig, aber in den Jahresrückblick schafft es dieses Spiel aus einem anderen Grund, den an diesem Tag aber noch niemand ahnt: Es ist der letzte Ernstkampf für die nächsten vier Monate. Die kurz bevorstehenden Schützi-Highlights, für die bereits Tausende von Tickets verkauft sind (Kantonsderby gegen GC, Cup-Fight gegen Bavois), werden auf unbestimmte Zeit verschoben.
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13. März 2020: Freitag, der 13. – vom Trainingsspiel in Bern in den Lockdown
Weil die Meisterschaft temporär ruht und die Teams nicht aus der Übung kommen wollen, absolviert der FCW gegen YB ein Trainingsspiel. Die Leistung des FCW ist gut, das Geisterspiel im leeren Wankdorf endet 0:0. Auf der Heimreise erfahren die Spieler: Nach dem Spielbetrieb wird auch das Training bis auf Weiteres eingestellt. Willkommen im Lockdown. Die Zukunft ist ungewiss.
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Die Zeit im Lockdown
Die Sportanlagen sind geschlossen, Gruppentrainings untersagt, fast der ganze FCW ist in Kurzarbeit oder arbeitet im Homeoffice. Die Spieler sitzen zuhause und trainieren für sich. Raphael Spiegel geht für ältere Menschen einkaufen, der Geschäftsführer liefert mit dem Velo Fanartikel nach Hause, man stellt sich die Sinnfrage, arbeitet im luftleeren Raum und trifft sich vor dem Bildschirm zur Videokonferenz. Ein neues Leben zwischen Ängsten und Entspannung, zwischen Zweifeln und Zuversicht.
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Teil 3/6
23. Juni 2020: Kantonsderby im Exil, erstes Spiel auf dem Utogrund

Endlich wird wieder Fussball gespielt, wenn auch ohne Publikum, dafür mit immer wieder neu angepassten Schutzkonzepten. Der FCW lädt nach dem Auswärtsauftakt in Vaduz erstmals zum Heimspiel im Utogrund, in dem er die Saison fertig spielt, während die Schützenwiese mit einem komplett neuen Rasen ausgestattet wird. Erster Gegner im Zürcher Exil sind ausgerechnet die Grasshoppers, die seit Kurzem in chinesischem Besitz sind. Das Kantonsgeisterderby endet 1:1.

31. Juli 2020: Historischer 6:0-Sieg gegen GC

Zum Abschluss der Geistermeisterschaft 2019/20 muss der FCW ins Letzigrund. Die Ausgangslage verspricht Hochspannung: Nur wenn GC deutlich gewinnt und gleichzeitig Konkurrent Vaduz verliert, haben die Hoppers wenigstens noch über die Barrage eine Aufstiegschance. Doch es kommt ganz anders: Der FCW gewinnt dank einer überragenden Leistung 6:0. Eine historische Klatsche und ein krönender Abschluss einer ganz speziellen Meisterschaft. Der FCW beendet die Saison mit dem guten 4. Platz, GC bleibt als Tabellendritter der Challenge League nochmals mindestens eine weitere Saison erhalten. Lausanne-Sport und Vaduz steigen auf, Xamax und Thun kommen runter. Die Klubnamen versprechen eine spannende Saison 2020/21.

Teil 4/6

25. August 2020: Wieder mal Cup-Halbfinal gegen Basel

Als Krönung einer sackstarken, aber unerträglich in die Länge gezogenen Cup-Kampagne mit Siegen über St. Gallen und Thun steht der FCW zum dritten Mal seit 2012 im Halbfinal. Zum dritten Mal heisst der Gegner FC Basel, erstmals aber findet das Duell in Basel statt, coronabedingt vor 1000 Gästen. Derweil in Winterthur beim Public Viewing des Vereins fussballkultur.ch auf der Schützenwiese wieder 300 rotweisse Fans mitfiebern. Hoch, sehr hoch sind die Erwartungen an den Underdog aus der Challenge League, schliesslich befindet sich der grosse FCB in einer Krise. Spätestens nach der Pause ist aber klar: Die Erwartungen waren zu hoch gesteckt. 1:6 heisst es nach 90 Minuten. Eine brutale Klatsche, die sich der FCW durch arge Fehler und mangelnde Kaltblütigkeit selber eingebrockt hat. Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Vermutlich am 10. Februar wartet die nächste Chance: Diesmal im Achtelfinal und wieder auf der Schützenwiese. Leider wohl als Geisterspiel.

18. September: Knappe Niederlage im Kantonsderby zum Saisonstart

Durch die unglückliche Herumschieberei des Cup-Wettbewerbes bleibt dem FCW keine echte Regenerations- und Aufbauphase. Schon drei Wochen nach dem Halbfinal muss das Team von Ralf Loose in die neue Meisterschaft starten. Zum Saisonauftakt warten im Letzigrund die neu formierten und ausgeruhten Grasshoppers. Das erste Kantonsderby 2020/21 ist erfreulicherweise trotzdem wieder ein Duell auf Augenhöhe und geht mit 2:3 nur knapp an das Team aus Niederhasli.

Teil 5/6

25. September: Rasenpremiere mit Kantersieg gegen Aarau

Gleich mit einem 5:2-Päckli schickt der FCW in seinem ersten Heimspiel den FC Aarau nach Hause. Erstmals sind wieder 1000 Fans im Stadion erlaubt. Eine tolle Premiere auf dem neuen Rasen – aber die Freude trügt: Der Rollrasen und der neue Unterbau haben entgegen den Erwartungen noch nicht die nötige Stabilität und Qualität. Auf Anordnung des Sportamtes muss der FCW sämtliche Trainings im Stadion streichen und die geplanten Spiele der Frauen (Cup) und der Nachwuchsteams auf den Kunstrasen verlegen.

3. Oktober 2020: FCW-Frauen erstmals im Cup 1/16-Final

Ein grosser Tag für den Winterthurer Frauenfussball: Das Frauenteam des FCW schafft im Schweizer Cup erstmals den Sprung in den 1/16-Final und trifft dabei auf das Spitzenteam des BSC YB. Die 450 Fans sehen auf dem Kunstrasen Schützenwiese bis zur 70 Minuten einen Fight auf Augenhöhe – doch in der Schlussphase fallen vier Tore, leider aus Winterthurer Sicht alle auf der falschen Seite. So bleibt der Titel «Siegerinnen der Herzen» und die Erinnerung an ein trotz Widrigkeiten tolles Fussballfest.

16. Oktober: 1800 Fans – zum ersten, letzten und einzigen Mal

Neuer Monat, neue Vorschriften, neues Schutzkonzept: Ab 1. Oktober gilt Masken- und Sitzpflicht, dafür dürfen die Klubs neu zwei Drittel der Sitzplatzkapazität im Stadion nutzen. Weil der FCW die Schützi mit provisorischen Sitzplätzen aufrüstet, dürfen gemäss neuem Schutzkonzept 2600 Fans ins Stadion. Immerhin 1800 schauen sich bei garstigem Wetter das Kantonsderby gegen Schaffhausen an. Die Stimmung ist gut, das Spiel endet 2:2 – und gleichzeitig endet mit den steigenden Corona-Zahlen auch die vorsichtige Öffnung der Stadien. Die kommenden Partien laufen wieder unter dem Titel Geisterspiele.

Teil 6/6

20. Oktober bis 20. November: Zwangspause, englische Wochen
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Wir sind natürlich nicht abergläubisch, aber der 20. Oktober ähnelt trotzdem dem 13. März: Wieder kehrt der FCW nach einem gelungenen Spiel aus dem Kanton Bern zurück (1:0-Sieg gegen Thun), wieder ist die Ernüchterung gross: Ein Spieler wird in der Folge positiv auf Corona getestet und muss mit sechs Kollegen, die beim Teamessen in seiner Nähe waren, in Quarantäne. Die folgenden beiden Spiele werden verschoben; nach der Zwangspause müssen weitere Spiele verschoben werden – diesmal sind die Gegner in Quarantäne… So muss der FCW mitten in der Meisterschaft einen Monat aussetzen, um danach mit zehn Spielen in 30 Tagen das Versäumte nachzuholen. Ab dem 20. November spielt er ununterbrochen immer dienstags und freitags, mal auf Kunstrasen, mal auf tiefem Geläuf. Keine leichte Aufgabe für das Team von Cheftrainer Ralf Loose, das nach Verlustpunkten Tabellenführer ist.
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22. Dezember: Gute Bilanz trotz Dämpfer zum Abschluss
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Die Aufholjagd läuft erfolgreich. Kurz vor Weihnachten hat der FCW seinen letzten Auftritt im alten Jahr. Wieder sind die Erwartungen hoch: Mit einem Sieg beim Tabellenletzten Xamax würde der FCW auf dem 2. Tabellenplatz überwintern – mit nur einem Punkt Rückstand auf Leader GC. Doch die Batterien scheinen nach den vielen englischen Wochen leer zu sein, die verletzten Offensivkräfte Davide Callà, Roman Buess und Samir Ramizi und der gesperrte Gezim Pepsi können nicht kompensiert werden. Das mit dem Rücken zur Wand stehende und spritziger wirkende Xamax gewinnt 2:0.
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Die Zwischenbilanz nach 15 Runden kann sich sehen lassen: Sieben Siege, vier Remis, vier (Auswärts-)Niederlagen (GC, Aarau, Wil, Xamax) sowie am drittmeisten geschossene und drittwenigsten kassierte Goals (26:18) ergeben 25 Punkte. Vor allem zu Hause ist der FCW eine Macht: Mit fünf Siegen und zwei Remis steht er hinter GC ungeschlagen auf dem 2. Platz. Die letzten drei Partien der Vorrunde finden im Januar/Februar statt. Trotz dem Dämpfer im letzten Spiel ist die Stimmung positiv: Auch der 5. Platz mit nur vier Punkten Rückstand auf GC verspricht eine spannende Rückrunde.
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Vorwärts Winterthur, 2021 kann kommen! Bereits am Montag, 4. Januar, startet der FCW auf der Schützenwiese mit den Vorbereitungen für die Rückrunde, die am 22. Januar mit dem Auswärtsspiel in Chiasso beginnt. (mö)
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Bilder: Olaf Brachem, Simon Walser, Milad Ahmadvand, Leya Imhof, Schützi TV, Andreas Mösli, Plakat-Illustration: Jan Zablonier.
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