Der FCW steigt in die eSports-Branche ein

19. November 2018



Der FIFA-Spieler Rico «Ricone» Hölzel repräsentiert neu den FC Winterthur

Der FC Winterthur wagt den Schritt in die virtuelle Fussballwelt: Er hat den FIFA-Spieler Rico Hölzel verpflichtet. Der 27-jährige eSportler mit dem Spielernamen Ricone wird für den FCW online und an Turnieren antreten.

Der FC Winterthur ist bekannt für seine pointierte Pflege der Fussball- und Fankultur. Mit einer Mischung aus Traditionsbewusstsein und Innovationsgeist hat er sich zu einer speziellen und starken Marke im Schweizer Klubfussball gemausert. Neben dem Kerngeschäft Fussball ist das soziale Engagement und die Fanarbeit wichtig. Seit 2016 will er mit einem Team den regionalen Spitzenfussball für Frauen aufbauen, diesen Sommer hat er mit dem FCW Brühlgut ein Team für Menschen mit Beeinträchtigung gegründet. Nun steigt der FCW auch in die eSports-Branche ein: Der regional stark verankerte Challenge-League-Klub hat mit Rico Hölzel einen FIFA-Spieler unter Vertrag genommen, der aus der Region stammt und Fan des FCW ist. Zwei Kriterien, die laut FCW-Geschäftsführer Andreas Mösli massgebend für die Verpflichtung waren: «Wir wollen neue Trends aufnehmen, aber es ist uns wichtig, dass diese von unserem Umfeld getragen werden.»

Mit Rico Hölzel, der unter dem Spielernamen Ricone auftritt, ist dies gelungen. Der 27-jährige Deutsche lernte als Jugendlicher bei Energie Cottbus den realen Fussball, kam dann mit 17 in die Schweiz und spielt seit bald zehn Jahren im zentralen Mittelfeld des FC Embrach. Hölzel lebt in Rorbas, arbeitet als Elektroplaner und ist als Fan des FC Winterthur regelmässig auf der Schützenwiese anzutreffen.

Auf den FCW kam Rico Hölzel, der auch in der Schweiz ein begeisterter Stadiongänger blieb, weil ihm der Verein mit seinem speziellen Image und seinem sozialen Engagement sehr sympathisch war. «Da habe ich mich entschlossen, mich dem FCW anzuschliessen – zuerst als Fan, dann auch auf dem virtuellen Rasen.»

 

Wertvoll für die Jugendarbeit

Ricone befasst sich seit dem Release von Fifa17 vor zwei Jahren aktiv und ernsthaft mit eSports. «Ich habe gegen Freunde immer sehr gut abschnitten und deshalb angefangen den Ultimate Team Modus zu spielen, zu dem die Weekendleague dazugehört.» Bei diesem Wettbewerb, in dem man sich mit den besten Spielern messen kann, habe er immer gut mithalten können. Hölzel fasziniert am virtuellen Fussball neben dem «Gamen» auch die Gemeinschaft unter den eSportlern: «Hier sind alle gleich und begegnen sich mit Respekt, wir sind eine grosse Community.»

Das fasziniert auch FCW-Geschäftsführer Mösli, obwohl er selber «noch nie» ein Computer-Fussballgame gespielt hat, wie er schmunzelnd zugibt. «Als Fussballclub vermitteln wir Werte wie Respekt, Toleranz und Solidarität, unser Ziel ist es, Menschen zusammenzubringen.» Gerade im Bereich Jugendarbeit sieht Mösli, der die Schützenwiese als «grösstes Jugendhaus der Region» bezeichnet, eSports als wertvolle neue Kommunikationsplattform.

 

Authentisch und nachvollziehbar

Ricone wird künftig online und an Turnieren für den FC Winterthur antreten. Momentan geschieht dies unentgeltlich auf reiner Amateurbasis. Die Entwicklung im eSports zeigt aber seit einigen Jahren stetig nach oben: Es gibt mehr nationale und internationale Turniere und Meisterschaften, die Preisgelder sind steigend.

Die Entwicklung in der Schweiz hinkt anderen Ländern (noch) hinterher. Die Swiss Football League (SFL) hegt zurzeit Pläne für eine nationale Meisterschaft. Einzelne Klubs wie der FC Basel oder St. Gallen haben Spieler angestellt, kämpfen aber noch mit der Akzeptanz in ihrer klassischen Fussballfanszene, wie kürzlich der Fanprotest während dem Spiel YB gegen den FC Basel gezeigt hat. Beim FCW ist man sich der Problematik bewusst: Ein Engagement im eSports müsse authentisch und nachvollziehbar sein, findet Mösli, sonst entstehe rasch der Eindruck eines reinen kommerziellen Marketingtools. So soll Rico «Ricone» Hölzel nicht nur an Wettkämpfen teilnehmen, sondern auch am Klubleben teilnehmen und auf der Schützenwiese mit Events für und mit den Fans präsent sein.

 

Premiere an der Winti Mäss

Der erste öffentliche Auftritt als Fifa-Spieler des FC Winterthur wird Rico Hölzel am Mittwoch, 21. November in der Sportarena der Winti Mäss sein. Zudem tritt er zusammen mit FCW-Captain Davide Callà am Donnerstag, 15.30 bis 16.30h in der Talk-Sendung von Tele Top auf, dielive im Top-Studio an der Winti Mäss aufgezeichnet wird.

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