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20.03.2017, 08:36 Uhr, Autor: Ein guter Punkt – schliesslich für beide; Hj. Schifferli

Presse-Artikel Presseschau: Ein guter Punkt – schliesslich für beide

LANDBOTE: Der FC Winterthur spielt als Tabellenletzter stark beim Leader FC Zürich. Er geht zweimal in Führung und fährt dann mit einem 2:2 heim, das ein korrektes Resultat ist. Unterhaltsam war der ganze Anlass mit gut 10 000 Zuschauern, worunter etwa 1200 aus Winterthur.

Wie die FCW-Fans das Unentschieden werteten, war am Samstagabend leicht zu erkennen, als sie nach ihrer Rückkehr vom Letzigrund auf dem Bahnhofplatz feierten und tanzten. Aus ihrer Sicht war das – nach zwei 0:2-Niederlagen im Herbst – zweifelsfrei ein «guter» Punkt.

Trainer Umberto Romano kämpfte mit seinen unterschiedlichen Eindrücken. Er berichtete aus der Kabine, wo «alle unzufrieden» gewesen seien. Er selbst sei «schon leicht enttäuscht. Aber schliesslich wird es doch ein guter Punkt sein.» Er fand, seine Mannschaft habe «umgesetzt, was wir wollten – mutig spielen und etwas investieren. Die erste Halbzeit war fast perfekt.» Aber er sah auch, «dass wir ganz am Schluss noch hätten verlieren können – wenns blöd gelaufen wäre». So «blöd», wie es im Fussball eben manchmal läuft.

Fast wie einst in Bern

Und die Zürcher? Sie waren eigentlich nicht zufrieden, denn das ist grundsätzlich nicht, wer als souveräner Leader daheim gegen einen Tabellenletzten zwei Punkte abgibt. Aber mit Blick auf die Realitäten mussten sie doch erkennen, dass sie knapp mehr als dem Verlust zweier Punkte entgangen waren, nämlich der ersten Heimniederlage in dieser Meisterschaft. Also sagte ihr Trainer Uli Forte: «Wir müssen diesen Punkt akzeptieren.» Er fühlte zum einen bestätigt, «was ich vor dem Spiel sagte: Nämlich, dass die Tabelle keine Rolle spielt, dass Winterthur im Cup in Bern gezeigt hat, was möglich ist – und heute hätte sich das beinahe wiederholt.» Geärgert habe ihn, «dass wir in der ersten Halbzeit nicht gut spielten. Da spielten wir zu viele weite Bälle. Erst nachher hielten wir den Ball am Boden, und es ging besser.»

Am knappsten fasst man es so zusammen: Der FCW war in der ersten, der FCZ in der zweiten Halbzeit besser, das Unentschieden absolut korrekt. Der FCW hatte etwas Schiedsrichterpech, der FCZ erarbeitete sich dafür allmählich ein Chancenplus. Aber es war auch so: Vor dem Match wäre jeder Zürcher mit einem Punkt unzufrieden gewesen, jeder Winterthurer zufrieden – nach diesem Spielverlauf war es eher umgekehrt. Die Zürcher konnten damit leben, zu deutlich ist ihr Vorsprung noch immer. Sie hatten in der ersten Halbzeit nur so gespielt wie schon zu Beginn der Rückrunde, als sie mühevoll in die Gänge gekommen waren. In der zweiten allerdings traten sie mit ihrer Offensivpower auf wie im Herbst so oft – eben wie die beste Mannschaft der Liga. Was sie bestätigt erhielten: Raphael Dwamena, der erst 21-jährige Ghanaer aus Vorarlberg, ist ein guter Transfer. Er schoss im Stil des Skorers im erst sechsten Match schon seine Tore Nummer drei und vier.

Romano sieht «gute Zeichen»

Romano wiederum wertete als «gutes Zeichen», dass seine Spieler mit dem Erreichten nicht zufrieden seien. Das liess ihn zumindest auf Ansätze jener Winnermentalität schliessen, die zuletzt oft vermisst wurde. Jetzt muss sie der FCW nur noch bestätigen, wenn die psychologische Ausgangslage nicht so günstig ist für einen Aussenseiter wie in Spielen gegen die Young Boys und nun den FCZ. «Wir müssen nun jene schlagen, die in unserer Reichweite sind», sagte Romano. Was ihn am meisten freute: «Die Art und Weise unseres Auftretens», die nun wirklich nicht die eines Tabellenletzten war – wie schon beim 0:1 gegen Neuchâtel Xamax. «Also wars ein nächster Schritt nach vorne», denkt Romano.

Eine Parallele zum – unglücklich verlorenen Match gegen Xamax – gab es allerdings: Wieder mussten sich die Winterthurer benachteiligt fühlen. Wieder wurde ihnen ein korrektes Tor nicht zugestanden, denn Verteidiger Guillaume Katz stand keineswegs im Abseits, als er in der 9. Minute eine Freistossball Gianluca Frontinos mit dem Kopf ins Tor lenkte. Später wurde auch Julian Roth im Abseits gesehen, obwohl er es klar nicht gewesen war. Und zehn Minuten vor Schluss mähte das Duo Umaru Bangura / Alain Nef Manuel Sutter um, ohne dass Elfmeter gepfiffen wurde.

An YB wiederum gemahnte nicht nur das Schlussresultat, sondern die Entstehung des zweiten Tores, diesmal das 2:1, damals das 2:2: Manuel Sutter schlug wieder einen erstklassigen Querpass Tobias Schättins ins Tor. Es war Schättins erst zweiter Ballkontakt, und das Tor fiel 81 Sekunden nach dem 1:1 des FCZ. Es war also sehr bedeutend. Das war auch der zweitletzte Pass. Mit dem spielte Tiziano Lanza, auch er erst kurz auf dem Platz, überraschend Schättin frei; es war der vielleicht feinste Pass im ganzen Spiel.

Das 1:0 hatte Luca Radice mit einer seit seiner Rückkehr aus Aarau kaum gesehenen Entschlossenheit erzielt. Radice war an diesem Abend erstmals wieder linker Aussenläufer; in dieser Rolle oder, wenns das System erfordert, als linker Aussenverteidiger ist er eindeutig besser als anderswo. Wie das eigentlich schon immer war. Beim FCZ war Dwamena gar zweimal entschlossener Torschütze. Das 2:2 allerdings war nur möglich, weil der zuvor beeindruckende David von Ballmoos patzte: Der FCW-Goalie hätte einen «einfachen» hohen Ball entweder fangen können oder dann entschlossen wegboxen sollen – aber nicht dem ein paar Meter vor ihm lauernden Dwamena in die Füsse . . .

Fortes Abschiedsgruss

Zum FCW wäre noch zu sagen: Die Verteidiger spielten gut, Zlatko Hebib so gut wie noch nie für den FCW. Er bot – endlich – eine über ein ganzes Spiel haltende ­solide Kombination aus Spiel­kultur, guter Organisation und Kampfbereitschaft, obwohl doch mit Silvio die beste Offensivkraft fehlte. Aber Romano wird schon in zwei Wochen im Schlüsselspiel gegen Wil wieder umstellen müssen: Silvio kehrt zwar zurück, dafür sind nun Verteidiger Roth und Frontino gesperrt. Beide wurden im «Eins» des FCW erstmals verwarnt, aber Roth hatte schon drei Gelbe Karten aus der U21 auf dem Konto, Frontino brachte gar sieben aus Schaffhausen mit.

Nach 90 Minuten, die in dieser Saison wohl die spannendsten und unterhaltsamsten mit dem FCZ im Letzigrund waren, verabschiedete Forte den Kollegen Romano mit diesen Worten: «Spielt ihr so weiter, steigt ihr sicher nicht ab.» Das hatte eine Woche zuvor schon Michel Decastel von Xamax getan. Damals hatte der FCW verloren, diesmal nahm er wenigstens einen Punkt mit. Letzter ist er noch immer.

Ärgerlich für Winterthur bloss, dass es sich bei den gegen siegreichen Tessinern ebenfalls um einen Konkurrenten im Abstiegskampf handelt, der mit diesem Sieg seinen Vorsprung auf den FCW auf drei Punkte auszubauen vermag. (hjs) 

 

 

+ + +  M A T C H T E L E G R A M M  + + +

FC Zürich - FC Winterthur 2:2 (0:1) 

Samstag, 18. März 2017, 19.00h - Stadion Letzigrund - 10'260 Fans (darunter 1200 aus Winterthur) - SR Hänni. Tore: 39. Radice 0:1. 73. Dwamena 1:1. 75. Sutter 1:2. 86. Dwamena 2:2. Tore: 39. Radice 0:1. 73. Dwamena 1:1. 74. Sutter 1:2. 86. Dwamena 2:2. – FCZ: Vanins; Voser, Nef, Bangura, Kempter; Yapi (60. Koné), Kukeli; Winter, Buff (28. Marchesano), Rodriguez (68. Schönbächler); Dwamena. – FCW: von Ballmoos; Roth, Katz, Hebib (75. Schättin); Ljubicic; Di Gregorio, Gazzetta, Kamber (70. Lanza), Radice; Frontino, Sutter (82. Avanzini). – Bemerkungen: FCZ ohne Kleiber, Cavusevic (verletzt), Alesevic, Kryeziu, Stettler, Sarr und Chiumiento (nicht im Aufgebot); Buff verletzt ausgeschieden; Koné nach seiner Einwechslung zweite Sturmspitze, FCZ in einem 4-4-2. – FCW ohne Silvio (gesperrt), Russo, Schuler, D’Angelo, Mangold (verletzt), Sliskovic und Rafhinha (U21); nach einer Stunde Frontino im Mittelfeld, FCW danach in einem 4-1-4-1; Avanzini nach seiner Einwechslung rechts im Mittelfeld, Frontino wieder Sturmspitze; in Abwesenheit von Schuler und Avanzini Katz Captain. – 9. Kopftor Katz‘ (fälschlicherweise) wegen «Abseits» nicht anerkannt. – Verwarnungen: 45. Sutter (Foul). 53. Roth (Unsportlichkeit?). 55. Frontino (Foul). 64. Bangura (Foul). 65. Ljubicic (Foul). – Unerfreuliche Leistung des Schiedsrichterassistenten Markus Räber. 

 

 

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