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18.03.2017, 11:08 Uhr, Autor: LANDBOTE; Hj. Schifferli

Presse-Artikel Pressevorschau: Die ewigen Hoffnungen des Aussenseiters

LANDBOTE: Als Zehnter beim Ersten – der FCW ist heute beim FCZ, dem souveränen Leader der Challenge League, nahezu so krasser Aussenseiter wie jüngst im Cup gegen die Young Boys. Das müsste ihn eigentlich hoffnungsfroh stimmen ...

 

Der FCW überwinterte als Achter nach der Vorrunde. Er ist Achter in der Frühjahrstabelle. Und das ergibt in der Ranglisten-Mathematik Platz 10, Abstiegsrang. In der Frühjahrstabelle haben nur Wohlen und Wil mit einem Unentschieden aus sechs Spielen weniger gepunktet als der FCW mit seinem einzigen Sieg – gegen Wohlen. Aber Freiämter wie Fürstenländer zehren noch von ihren höheren Guthaben aus dem Herbst.

Das zeigt: Der FCW hat den Umschwung auch unter neuer Führung noch nicht geschafft, trotz des Sieges gegen Wohlen im ersten Match unter Umberto Romano und Dario Zuffi. Er hat, um es zeitgeistig auszudrücken, noch nicht in den Abstiegskampfmodus gefunden. Die erstaunliche Leistung im Cup-Viertelfinal gegen die Young Boys lässt sich an der Meisterschaftstabelle auch nicht andeutungsweise ablesen. Eher wirkte sich dort aus, dass das Glück, das der FCW in diesem Frühjahr hatte, an dem einen Abend in Bern über ihm ausgeschüttet wurde. Nicht aber in der Meisterschaft, schon gar nicht zuletzt gegen Xamax, als ihm – beispielsweise – ein reguläres Kopftor nicht zugestanden wurde.

Wieder zu wenige Tore

In der Liga trat der FCW zuletzt eher wie eine Mannschaft auf, die es immer wieder schafft, so zu spielen, dass es genau für eine Niederlage reicht. Am bedenklichsten aber ist: Er schiesst wieder zu wenige Tor – so wie in der Endphase unter Sven Christ. In den letzten drei Meisterschaftsspielen war der Elfmeter, den ­Silvio in der letzten Sekunde in Schaffhausen zum (bedeutungslosen) 1:2 verwertete, das einzige – anerkannte – Tor. Danach gabs ein 0:1 gegen Le Mont, ein 0:1 gegen Neuchâtel Xamax.

Heute ist die Hürde, diese Zahlen zu verbessern, hoch. Denn der FCZ hat in dieser Saison erst sehr wenige Schwächen gezeigt, mit nur einer Niederlage, mit nur 14 Gegentoren, also im Schnitt nach knapp 150 Minuten eines! Daran ändert auch nichts, dass der FCZ in der Frühjahrstabelle «nur» die Nummer 3 ist, mit seinen zehn Punkten aus den fünf Spielen ohne den abgebrochenen Match in Aarau. Xamax hat sein sechstes Spiel schon gewonnen und deshalb 13 Frühjahrspunkte, Servette hat es mit lauter Siegen gar auf 18 Punkte gebracht.

Die Aufgabe des FCW erleichtert heute nicht, dass ihm der eindeutig beste Offensivspieler fehlt: Silvio wurde gegen Xamax zum vierten Mal verwarnt, als er gegen das aberkannte Tor reklamierte. Immerhin, Realisten werden sagen, es sei womöglich besser, Silvio fehle heute als dann in zwei Wochen im nächsten «Sechspunktespiel» gegen den FC Wil. Optimisten werden sagen, die Aussichten des FCW seien heute grösser, je kleiner die Chance sei, die ihm eingeräumt werde – wie damals in Bern. Dem wäre beizufügen: Als eine Mannschaft, die dem Erfolgsdruck besonders gut gewachsen ist, wirkt dieser FCW in der Tat nicht.

Übrige Personalien zum heutigen Spiel sind: Der schwerstens am Knie verletzte Marco Mangold, der in der kommenden Woche operiert werden soll, Daniele Russo, Gianluca D’Angelo und ­Patrik Schuler fehlen wegen Verletzungen. Luca Sliskovic gehört nicht zum Aufgebot, weil er in die U21 delegiert wird. Dafür kommt von dort Robin Kamber zurück.

Wieder über 10 000 Zuschauer

Was der FCW heute zum zweiten Mal in dieser Saison kann: Vor einer fünfstelligen Zuschauerzahl spielen. Zum Saisonstart im Juli kamen zu diesem Derby 13 704 in den Letzigrund, darunter mehr als 3000 aus Winterthur. Bis gestern waren wieder gut 10 000 Tickets verkauft. Das ist auch für den FCZ überdurch-schnittlich, denn nach dem Auftritt des FCW hatte er nur noch im nächsten Heimspiel, gegen Wohlen, über 10 000 Zuschauer; danach sank der Schnitt auf – immer noch imposante – 9400.

Kurz zu rekapitulieren wäre auch die Geschichte der letzten Derbys im Letzigrund: Das 2:0 für den FCZ im Startspiel ist noch in bester Erinnerung. Am 20. Mai 1995 holte der FCW als B-Klub in einem Auf-/Abstiegsrundenspiel gegen den A-Klub FCZ ein 0:0 – dank einer starken Leistung des vormaligen FCZ-Goalies Patrick Mäder. Ende Saison blieb der FCZ dennoch oben, der FCW unten.

Ein «normales» Nationalliga-B-Spiel war, nach dem FCZ-Abstieg 1988 zusammen mit dem FC Basel, das bisher drittletzte Letzigrund-Derby: Ende August 1989 war der FCZ nach sechs Runden Erster, der FCW Zweiter. Dank frühen Toren des ehemaligen FCZ-Juniors Urs Güntens­perger und des Polen Joachim Hutka siegte der FCW des Trainers Alfons Bosco 2:1. Im Frühjahr kehrte der FCZ dann nach zwei Jahren in der Zweitklassigkeit in die Nationalliga A zurück, der FCW verpasste den Aufstieg in der andern Gruppe der Auf-/Abstiegsrunde klar.

So ein Sieg würde dem FCW heute mehr helfen als damals. Und der Schaden des FCZ bliebe wohl auch überschaubar. hjs

 

 

Romano: «In jedem Spiel waren wir dran»

Mit 44 Jahren – nach je drei Jahren als Trainer in der 2. Liga inter und als Assistent in Wohlen, anderthalb Saisons als U18-Trainer auf der Schützenwiese – erhält Umberto Romano die Chance, sich als Cheftrainer im Profifussball zu bewähren. Das klare Ziel: mit dem FCW die Klasse zu halten

Umberto Romano, Sie waren
einst, als 18- bis 20-Jähriger von
1991 bis 1993, FCZ-Spieler. Welche
Verbindung haben Sie noch
zum Verein?
Umberto Romano: Das waren
damals vier, fünf Einsätze . . .
. . . genau sechs waren es, einer
über 90 Minuten, im letzten
Spiel der Saison 1991/92 unter
Trainer Kurt Jara . . .
. . . aber Verbindung zum Klub
gibt es keine mehr, das ist so lange
her. Schade, sind sie zurzeit nur
in der Challenge League.
In dieser Liga sind Sie jetzt erstmals
verantwortlicher Cheftrainer.
Welche erste Zwischenbilanz
ziehen Sie nach fünf Spielen, nur
einem Sieg in der Liga und dem
Cup-Coup gegen YB im Cup?
Resultat- und punktemässig können
wir sicher nicht zufrieden
sein. Was ich sagen kann: In jedem
Spiel waren wir dran, auch
wenn das ein schwacher Trost ist.
Zuletzt gegen Xamax hätten wir
einen Punkt verdient, in Le Mont
haben uns die ersten 15, in Schaffhausen
die fünf Minuten nach der
Pause Punkte gekostet. Das müssen
wir ablegen, wenn wir mehr
punkten wollen. Wie wir auftreten,
ist durchaus positiv, aber
wir müssen das auch in Tore ummünzen.
Wo sehen Sie die grössten
Schwierigkeiten?
Wenn man, wie wir, in einer Negativspirale
ist, musst du dich konsequent
rausboxen – da genügt
ein Spiel wie unser erstes gegen
Wohlen nicht. Schon in Schaffhausen
machten wir zu wenig, im
Cup hats wieder geklappt, in Le
Mont wurden wir anfangs (auch
vom Wind. Die Red.) weggeblasen
und gegen Xamax hatten wir
schon in der 3. Minute einen Penalty
gegen uns. Die Mannschaft
wollte danach, aber es ist dann
nicht leicht. Und: Wir müssen uns
einfach mehr wehren.
Was lässt Sie, als Tabellenletzten,
die Dinge überhaupt positiv
sehen?
Die Mannschaft ist intakt, es
herrscht eine gesunde, gute Stimmung.
Es ist ja auch wichtig, nicht
gleich alle Lebensfreude zu verlieren,
nur weil man Letzter ist.
Das ist wichtig, das habe ich der
Mannschaft auch gesagt. Und ich
sagte ihr: Wir müssen einfach immer
weiter arbeiten – bis wir belohnt
werden. Und: Das vorhandene
Potenzial sollte schon reichen
– für den Klassenerhalt. hjs

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